Mythos Pferdeflüsterer

Lässt der Mensch dem Pferd die Wahl, so lebt es liebend gerne in einer Gruppe anderer Pferde mit festen Rangstrukturen und einer komplexen sozialen Struktur untereinander. Pferde schließen gerne lebenslange Beziehungen und Freundschaften, sind als natürliche Herdentiere immer bemüht, eine Herde zu bilden und in der Gemeinschaft mit anderen die gegenseitige Sicherheit zu gewährleisten. Sobald man sich also erst einmal das Vertrauen eines Pferdes erarbeitet hat, darf man sich auf eine lebenslange Freundschaft mit dem Vierbeiner freuen.

Wichtig ist hierbei jedoch eine klare Rangordnung zu bilden, denn gerade beim Reiten und Longieren sollte das Pferd nicht nur das machen, was es will. Die sensiblen Huftiere definieren ihre Positionen innerhalb der Herde mit Bewegungen über Körpersprache oder Positionen. Gehört man nun zu den Menschen, die diese Sprache lesen und verstehen können, so kann es ganz leicht sein, auch zu einem jungen Pferd ein Vertrauensverhältnis aufzubauen.

‚Natural Horsemanship‘ ist hierbei der Schlüssel zur Erziehung eines Pferdes ohne Gewalt und Peitsche. Ganz natürlich wird hierbei die Sprache des Pferdes und die Rangordnung, die es einnehmen möchte genutzt, um die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Pferd zu verbessern. Die Vierbeiner werden zur geistigen Mitarbeit motiviert, während die Menschen lernen, wie ein Pferd zu denken. Streicheln, Schubsen und Vertreiben gehören hierbei zu der natürlichen Körpersprache der Pferde und werden sofort erkannt.

Als grundlegendste Technik wird hierbei das Pferd alleine in eine Halle geführt, wo es sich nur mit dem Menschen zu einer Herde zusammentun kann. Es wird einfach von der Leine gelassen und erlaubt, selbstständig auf den Menschen zuzugehen, sich in immer enger werdenden Kreisen ihm zu nähren und dem eigenen Tempo entsprechend die ersten Kontaktsignale auszusenden. Der Trainer hört dabei auf, das Pferd anzutreiben oder zu dirigieren, signalisiert somit das alles in Ordnung ist. Hat sich das Pferd einmal genährt, zeigt der Trainer durch Berühren aller möglichen Körperstellen des Pferdes, dass er die ranghöhere Position hat. Er zeigt sich als Leittier und signalisiert mit seinen Berührungen: „Ich bin der Chef, ich darf das.“ Dem Pferd wird so ganz ohne jedes Drangsalieren gezeigt, dass es mitgehen und sich dem Menschen in einer Herde mit fester Struktur anschließen darf. So entsteht eine Beziehung mit erfolgreicher Kommunikation und gleichzeitig eine Grundlage für die spätere Zusammenarbeit.

Pferdeflüsterer sind also kein Mythos, sondern einfach nur Trainer, die gelernt haben, die Körpersprache von Pferden und deren sozialen Strukturen ihrer Herde zu verstehen. Sie versuchen somit über natürliche Herangehensweisen das zu erreichen, was bei anderen Trainingsmethoden nur mit einer festeren Hand erreicht werden kann.

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